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Hi,

Erstmal ein großes Lob an die, die schon etwas für Deinen Blog geschrieben haben. Ich hoffe, deine Ratschläge helfen den Betroffenen.

Mein Problem ist vielleicht etwas anders. Das Ding ist, ich bin bewiesenermaßen ein Soziopath und ein empathieloser Mensch. Meine Therapeutin musste mir auch erstmal erklären, was die Wörter bedeuten. Kurz und knapp heißt beides:

Ich bin weder in der Lage Gefühle von Menschen wahrzunehmen, zu verstehen noch selber wirklich welche zu zeigen. Zudem interessieren mich andere Gefühle meist erst gar nicht, was damit endet, dass ich sehr grob bin.
Da sind wir schon bei dem Problem: Ich verletze sehr schnell Menschen. Ohne es überhaupt zu wollen. Freundschaften gingen dadurch auch sehr schnell in die Brüche. Nur zwei Leute, engste Freunde von mir, wissen was ich „bin“ und wissen wie sie mit mir umzugehen haben und dass ich vieles nicht ernst meine.

Bestes Beispiel: Wenn jemand trauert, wegen eines verlorenen Menschen. Mache ich Witze drüber mit dem Ziel die Person zum Lachen zu bringen. Und ja, das tu ich immer noch. Ich weiß nicht, wie ich anders reagieren soll. Wenn jemand wütend oder so ist, ist es fast gleich. Ich würd einfach gern wissen, was ich tun muss damit ich nicht noch weitere Freunde verliere und Personen die mir nahestehen. Ich will es nicht als Ausrede nehmen, ich sei ja ein empathieloser Soziopath.
Wie es schon meine beste Freundin gesagt hat: Es erleichtert einem das klare Denken bei gewissen Situationen. Aber was bringt das einem, wenn man dann aussieht wie ein Arsch?

Gezeichnet

R.

P.S.: Mach weiter so Gerry

Hallo R.,

das Lob kannst du dir an dieser Stelle auch selbst geben. Es ist mutig von jedem, der sich mir anvertraut und vielleicht etwas für sich mitnehmen kann. An dieser Stelle meinen Dank an euch Dreien bisher.
Kommen wir aber nun voll und ganz zu dir.

Auch bei dir finde ich es gut, dass du bereits in Behandlung bist. Ich bin weder ein ausgebildeter Psychologe oder Psychotherapeut. Und ich denke, dass du genau weißt, was du bist, wird es allgemein einfacher machen, dinge zu verstehen.

Ich bin so einem Menschen wie dir schon einmal begegnet. Genauer gesagt, war ich vor langer, langer Zeit mit so einem Menschen zusammen. Bei ihm wusste man aber leider noch nicht, was er hat und ich war zu jung, um das zu verstehen. Ich konnte nur die Umstände nachvollziehen.
Und so einfach wie es klingt, ist m.E. die Lösung für deine Frage genauso banal wie in meinem ersten Welpen-Blog: Reden!
Warum sollte es denn eine Ausrede sein? Du bist was du bist. Und was du bist, ist kein schlechter Scherz oder eine Ausrede. Das bist nun mal du. Du magst die Gefühle anderer vielleicht nicht nachvollziehen, geschweige denn nachempfinden können, aber… Ich setze mal an deinem Trauerbeispiel an:

Ein nahestehender Mensch eines Freundes ist gestorben. Es ist auch für dich verständlich, dass er trauert. Du versuchst, teilweise mit unqualifizierten Kommentaren, ihm oder ihr ein Lächeln abzuringen und trittst natürlich von einem Fettnäpfchen in das nächste. Dir mag das an dieser Stelle nicht bewusst sein, und deinem Freund oder deiner Freundin auch nicht, aber deine Intention hinter diesen Fettnäpfchen ist durchaus positiv zu bewerten.

Hierbei kommen wir zu zwei Beispielen. In dem einen befolgst du meinen Rat und in dem anderen halt nicht:

Beispiel 1: Du hast die Person nicht über dich aufgeklärt, als die Freundschaft ein tiefergehendes Level erreicht hat.

Natürlich fühlt die Person an dieser Stelle nicht ernst genommen. Sie sagt, dass du ein Arschloch bist, weil du keine Rücksicht auf ihre Gefühle nimmst. Du fühlst dich dann natürlich komisch oder sogar schlecht, weil du ihre Reaktion nicht nachempfinden kannst. Dies wiederholt sich im schlimmsten Fall immer wieder und es endet in einem Dilemma: Ein Freund weniger.

Beispiel 2: Die Person weißt über dich bescheid.

Auch hier fühlt sich die Person nicht ernst genommen in ihrer Trauer. Aber das, und das sollte dir dringend bewusst werden, liegt in der Essenz der Sache: Ein trauernder Mensch hat in diesen Moment keine Empfangsmöglichkeit für Witze, Scherze und dumme Sprüche. Und vielleicht wird sie dich auch als Arschloch betiteln. ABER, und hier kommen wir zum Kern der Offenheit, die Person wird sich, nach einiger Ruhezeit, besinnen, dass du nicht anders kannst. Sie wird auf dich zu kommen, sich vielleicht an dich anlehnen und sagen, dass es schön ist, dass es dich gibt und dass sie weiß, dass du es nicht so gemeint hat.

Anfänglich mögen beide Beispiele identisch sein. Aber der Ausgang ist unterschiedlich. An dieser Stelle musst du dich selbst fragen: Sehe ich mein „Problem“ als ausrede, oder als ein Teil von mir und gehe offen damit um?

Die Antwort dazu, kann ich dir natürlich nicht geben. Denn diese ruht in dir. Und was in dir ist, kann nur von dir selbst verstanden werden. Du bist was du bist. Wahre Freunde erkennst du daran, dass sie anerkennen, wer du bist, wie du bist, warum du so bist.

Fassen wir zusammen: Wenn du beginnst, jemanden zu vertrauen, sei offen zu diesem Menschen. Sag ihm, was Sache ist. Und wenn er sagt „Sorry, ich kann das nicht.“, dann war er zumindest ehrlich zu dir. Versuch nicht, etwas zu sein, was du nicht bist. Verstell dich nicht.
Und als kleiner Tipp: Wenn jemand trauert, dann sag lieber nichts, wenn es dir unangenehm ist, und nimm diese Person einfach in den Arm. Und wenn doch einmal ein dummer Satz über deine Lippen kommt, dann ist es halt so. Wenn die Person über dich Bescheid weiß, dann wird sie vielleicht einen Moment wütend, versteht aber, dass du nicht anders kannst.

Das war viel Geschreibsel. Ich wünsche Dir, und natürlich auch den Lesern, alles Liebe und Gute. Passt alle auf euch auf.

Gerry


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Hinweis: Ich bin kein ausgebildeter Psychologe oder Arzt. Bitte sucht einen Arzt auf, sollte es sich um körperliche oder psychologische Beschwerden handeln.

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